Bericht San Vicente de Paúl, Quito
Liebe Mitglieder, Spenderinnen und Spender von GRATEFUL CHILDREN
Mit diesem Informationsbericht möchten wir Sie über die wichtigsten Entwicklungen in unserem Kinder- und Waisenheim San Vicente de Paúl sowie über die Verwendung der Unterstützung von GRATEFUL CHILDREN im oben erwähnten Zeitraum informieren.
Ecuador: ein weiterhin anspruchsvolles Umfeld
Die allgemeine Lage in Ecuador bleibt schwierig. Organisierte Kriminalität, Erpressungen und Gewaltdelikte belasten weiterhin grosse Teile des Landes; die Regierung reagiert in besonders betroffenen Provinzen mit Ausnahmezuständen und verstärktem Einsatz der Sicherheitskräfte. Gleichzeitig hat sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Für 2026 liegen die Wachstumsprognosen bei 1,8 bis 2,5 Prozent, bei einer Inflation von rund 3,2 Prozent.
Im Bildungsbereich wurden die Einschreibe- und Transferverfahren für das Schuljahr 2026/2027 weitgehend digitalisiert. Besonders erfreulich ist für uns, dass unsere Kinder und Jugendlichen die öffentlichen Schulen gut besuchen können, sich dort integriert haben und gute schulische Leistungen zeigen.
Personelle Unterstützung dank Ihrer Spenden
Die Unterstützung von GRATEFUL CHILDREN im Betrage von CHF 12’500 haben wir im Berichtszeitraum vor allem für Betreuungspersonal eingesetzt. Gemäss unserer Abrechnung beliefen sich die damit gedeckten Lohn- und Arbeitgeberkosten auf rund USD 15’587. Damit konnten wir zwei Vollzeitstellen finanzieren: eine Betreuungsperson, die vormittags in der Kinderkrippe und ab Mittag in Haus 1 mithilft, sowie eine weitere Vollzeitkraft in der Krippe.
Die langjährig von GRATEFUL CHILDREN mitfinanzierte Kindergärtnerinnenstelle wurde per 30. Juni 2025 aufgehoben. Auf Empfehlung des zuständigen Ministeriums besuchen unsere Kleinkinder seither ein externes staatliches Kinderentwicklungszentrum (CDI). Deshalb haben wir die Aufgaben im Heim neu verteilt, damit unsere Betreuerinnen mehr Zeit für die direkte Begleitung der Kinder haben.
Staatliche Finanzierung bleibt eine grosse Herausforderung
Unsere Zusammenarbeit mit dem heutigen Ministerium für menschliche Entwicklung (MDH, früher MIES) ist durch erhebliche Zahlungsverzögerungen belastet. Im Jahr 2025 mussten wir die staatlich mitfinanzierte Betreuungskapazität von 60 auf 30 Kinder und Jugendliche reduzieren, weil zugesagte Beiträge nicht rechtzeitig ausbezahlt wurden.
Ausstehende Beiträge Nov./Dez. 2025 | ca. USD 40k |
Ausstehende Beiträge Jan.–Mai 2026 | ca. USD 100k |
Staatsvereinbarung 2026 | USD 271k für 30 Kinder/Jugendliche |
Finanzierungsmodell 2026 | 15 staatlich finanziert; 15 als institutionelle Gegenleistung |
Für die ersten sechs Monate der Vereinbarung 2026 war zum Zeitpunkt unserer Berichterstattung noch keine staatliche Zahlung eingegangen. Wegen der Liquiditätsengpässe mussten wir vorübergehend ein Darlehen der Provinzgemeinschaft der Hijas de la Caridad beanspruchen. Wir möchten künftig wieder bis zu 60 Kinder und Jugendliche betreuen; dafür ist jedoch eine verlässliche private Parallelfinanzierung notwendig.
Kinder und Jugendliche: Aufnahmen, Adoptionen und Wiedereingliederung
Im Berichtszeitraum nahmen wir sechs Kinder neu in unserem Heim auf. Die Gründe waren schwere familiäre und soziale Notlagen, darunter fehlende elterliche Fürsorge, freiwillige Übergabe von Säuglingen/Babys an unser Heim, soziale Gefährdung, mütterlicher Drogenkonsum sowie körperliche und psychische Misshandlung.

Im gleichen Zeitraum verliessen zwölf Kinder und Jugendliche unser Heim: vier durch nationale Adoptionen, vier durch familiäre Wiedereingliederung, drei durch Übertritte in andere bzw. spezialisierte Einrichtungen und eine junge Frau nach der rechtlichen Verselbstständigung mit Erreichen der Volljährigkeit. Internationale Adoptionen gab es in diesem Zeitraum keine. Per 30. Juni 2026 betreuten wir 30 Kinder und Jugendliche.
Mehrere familiäre Wiedereingliederungen konnten wir nach intensiver Abklärung des familiären Umfelds umsetzen. Geschwister kehrten zu älteren Familienangehörigen zurück und setzen dort ihre Schulbildung fort.
Nach der Volljährigkeit: Wie geht es weiter?
Eine junge Frau musste unser Heim mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen. Sie lebt heute bei ihrer Schwester, arbeitet dank eines Geldgebers Teilzeit bei der Academia Legacy Coffee und besucht einen Intensivlehrgang zum Abschluss der Matur. Danach kann sie ihre Ausbildung an einer Universität oder einem Institut fortsetzen.
Auch für einen jungen Mann mit Behinderung mussten wir nach Erreichen der Volljährigkeit eine dauerhafte Anschlusslösung finden. Wir konnten für ihn einen Platz in einem spezialisierten Zentrum in Conocoto organisieren. Dort erhält er weiterhin medizinische, therapeutische und pädagogische Begleitung und kann seine Bäckerei-Workshops fortsetzen. Uns ist wichtig, dass Jugendliche beim altersbedingten Austritt in eine möglichst stabile Wohn-, Betreuungs- oder Ausbildungssituation übergehen.
Schule, Entwicklung und Freizeit
Unsere schulpflichtigen Kinder besuchen öffentliche Schulen und haben sich dort gut integriert. Ihre Leistungen sind erfreulich; im Schuljahr 2025/2026 musste kein Kind eine Klasse wiederholen. Unsere Betreuerinnen unterstützen bei Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung, während unser Fachteam den Kontakt zu den Schulen und die schulische Entwicklung verfolgt.
Während der Ferien im Juli und August 2025 organisierten wir ein Ferienprogramm mit Ausflügen unter anderem in Museen, in den Vulcano Park und in Freizeitanlagen. Geburtstage feiern wir gemeinsam am letzten Freitag jedes Monats. Für die Sommerferien 2026 war zudem ein Ausflug ans Meer vorgesehen, den wir dank lokaler Eigeninitiative ermöglichen konnten.

Qualität der Betreuung und institutionelle Arbeit
Wir arbeiten mit einem strategischen Plan nach den technischen Vorgaben des MDH. Unser Fachteam trifft sich monatlich; in regelmässigen Arbeitssitzungen legen wir gemeinsam mit den Betreuerinnen konkrete Massnahmen für die einzelnen Kinder fest. Hinzu kommen Weiterbildungen sowie Koordinationssitzungen mit dem Ministerium und der zuständigen Adoptionsstelle.
In eigener Sache
Dieses Jahr feiern wir ein Jubiläum: Unser Heim besteht seit 150 Jahren. Es ist nach dem heiligen Vinzenz von Paul (1581–1660) benannt. Er war ein französischer Priester, der sein Leben dem Dienst an armen, kranken und benachteiligten Menschen widmete.

Ausblick und Dank
Die verzögerten staatlichen Zahlungen zeigen uns, wie wichtig private Unterstützung für die Stabilität unseres Heims ist. Sie hilft uns, Betreuungspersonal zu halten und die Versorgung auch bei verspäteten öffentlichen Mitteln sicherzustellen. Langfristig hoffen wir, bei gesicherter Finanzierung wieder mehr Kinder aufnehmen zu können.
Im Namen unserer Kinder und Jugendlichen sowie aller Mitarbeitenden des Kinderheims San Vicente de Paúl danken wir Ihnen herzlich für Ihre treue Unterstützung und Ihr Vertrauen.
Liebe Grüsse aus Quito
Ana María Maldonado
Heimleiterin
Bericht vom Heim San Vicente de Paúl erstellt, von GRATEFUL CHILDREN erstmals mittels KI übersetzt, inhaltlich auf zwei A4-Seiten begrenzt und minimal angepasst.